Theater

DER SÜSSE WAHN
Multimediales Bühnenstück nach Patricia Highsmith
Premiere: 30. Oktober 1997 / Brotfabrik Berlin
Buch, Regie: Matthias Aberle
Seit der Heirat seiner ehemaligen Freundin Annabelle führt David ein Doppelleben. Unter falschem Namen hat er sich ein Haus gemietet, in dem er ohne Wissen seiner Bekannten die Wochenenden verbringt. Hier hat er sich seine Traumwelt aufgebaut, in der er sich einbildet, mit seiner Geliebten, mit Annabelle zusammenzuleben. Er ist davon überzeugt, dass sie ihn liebt und irgendwann ihren Mann verlassen wird, um zu ihm zu kommen. Eines Tages erscheint Annabelles Mann im Wochenendhaus, um David zur Rede zu stellen.

EIN SOMMERNACHTSTRAUM
Musical nach William Shakespeare
Premiere: 8. Februar 1997 / Musikakademie Schloß Rheinsberg
Libretto, Regie: Matthias Aberle
Demi verabredet mit Egi die Hochzeit mit dessen Tochter Hermia, die aber Lysander liebt – einen Künstler, der vom Vater nicht akzeptiert wird und für den Demetrius nur ein “Pah” übrig hat. Deshalb ist Demi nicht ungeliebt – Helena liebt ihn (Hermias Freundin). Doch Hochzeit mit Demi muss sein, meint Vater Egi. Bleibt nur die Flucht in den Wald. Dort herrscht derzeit mächtig Aufregung. Elfenkönig Oberon hat Krach mit seiner Königin Titania. Um Titania eins auszuwischen, lässt Oberon vom Waldgeist Puck ein Liebeskraut holen (Wirkung: beim Erwachen verliebt man sich in denjenigen, den man zuerst erblickt). Und da er gerade einen Streit zwischen Helena und Demetrius mit angehört hatte, befiehlt er dem Waldgeist, er möge doch gleich auch noch den Athener verzaubern. Doch welchen? Puck erwischt den Falschen – Lysander. Um seinen Fehler zu korrigieren, wird auch Demetrius verzaubert. Und plötzlich lieben sich die Falschen. Auch Titania hat es erwischt, sie begehrt einen Esel. Dieses bunte Treiben im Wald wird Oberon irgendwann zuviel und er schickt Puck los, um das Gegenmittel zu holen. Der Morgen graut und die Entzauberung der Verliebten beginnt.

DIE ANTRITTSREDE DER AMERIKANISCHEN PÄPSTIN
Theaterstück von Esther Vilar
Premiere: 28. November 1995 / Dom zu Berlin
Bearbeitung, Regie : Matthias Aberle
„Wenn es Gott nicht gibt, fragt der Zyniker, rückt man da nicht näher zu den Menschen? Und ob man das tut! Deshalb brauchen Sie ihn ja. – Ich verspreche Ihnen ein Märchen, durch das Sie an nichts und an alles erinnert werden sollen.“
Im Jahre 2014 besteigt zum ersten Mal eine Frau den Thron des Papstes. Johanna II. findet eine total ruinierte Kirche vor: die Mehrheit der Gläubigen ist zu strengeren Religionen abgewandert, allerorten leere, baufällige Kirchen, ein resignierter, verarmter und daher häufig korrupter Klerus. Und selbst die weltweite Fernsehübertragung der Antrittsrede dieser jetzt nur noch auf vier Jahre gewählten Päpstin muss mit Werbung finanziert werden.
„Ich antworte Ihnen jetzt nicht: Das alles ist doch gar nicht Gott, das ist der Teufel. Ich sage jetzt auch nicht, Gottes Wege seien nun einmal wunderbar. Ich sage Ihnen folgendes: So hart es klingt, auf Ihre Meinung über Gott kommt es überhaupt nicht an!“

WARTEN AUF GODOT
Theaterstück von Samuel Beckett
Premiere: 1. Juli 1994 / Zoologischer Garten Berlin
Regie: Matthias Aberle
Wladimir und Estragon haben einen Traum: „Wir wollen etwas tun, solange die Gelegenheit sich bietet! Uns braucht man nicht alle Tage.“ Viele sind berufen, wenige auserwählt. Sie möchten auserwählt sein, gerettet. Darauf ist ihre ganze Tätigkeit gerichtet: warten, auserwählt zu werden. Denn dann gelangen sie ins Paradies: „Heute Abend schlafen wir vielleicht bei ihm, im Warmen, im Trockenen, mit vollem Bauch, auf Stroh. Da lohnt es sich zu warten, nicht?“
Die Erlösung ist Gnade, Tätigkeit des Retters: „Und unsere Rolle dabei? … Unsere Rolle? … Bittsteller! … Haben wir keine Rechte mehr? … Wir haben sie verloren! … Wir haben sie verschleudert!“ Sie haben nur ein Verdienst: „Wir sind da, wie verabredet, da gibt es nichts. Wir sind keine Heiligen, aber wir sind da, wie verabredet.“
Immer bereit. Ihr Heeres Ziel wird ihnen bedenklich deutlich vorgeführt: „Einen Menschen, so zu behandeln … das finde ich … ein menschliches Wesen … nein … das ist eine Schande!” Aber flüchtig wie der Augenblick ist der erste Eindruck und trügt. Wahr ist, was wir sehen wollen. „Eine Schande! Ein so guter Herr! Ihn so leiden zu lassen! Nach so vielen Jahren! Wahrhaftig!“
Weder miteinander, noch gegeneinander, geschweige denn einzeln können Wladimir und Estragon ihr absurdes Verhältnis auflösen und ideologisieren darum ihre Untätigkeit, ihre Selbstaufgabe: „Was machen wir hier, das muss man sich fragen. Wir haben das Glück, es zu wissen. Ja, in dieser ungeheuren Verwirrung ist eines klar: wir warten darauf, dass Godot kommt.”